KulturArena: Demi Evans and the Hands

Was soll dabei herauskommen, wenn ein Ex-Model zum Mikrofon greift? Synthie-Pop der untersten Kategorie vermutlich, mit Tänzern drapiert, musikalische Einheitskost eben… Wenn es sich aber bei dem Ex-Model um Demi Evans handelt, die neben der Musik auch die Mode der Haut Couture auf den Laufstegen von Paris, Mailand und Los Angeles spazieren führte, kann der Besucher auf einen großartigen Abend gespannt sein und eben diesen Erwartungen wurde Demi Evans am Samstagabend in der Jenaer KulturArena vollends gerecht.

Sie bezieht die Besucher von Beginn an ein, fordert das Publikum zum Tanzen auf, später stürmen kleine Kinder die Bühne und Demi tanzt mit ihnen – das Publikum applaudiert ob soviel Spontaneität.

Diese Musik in Worte zu fassen ist nicht einfach: Genreübergreifend fließen Gospel, Blues, Southern Soul und Folk-Pop in die Songs der Demi Evans ein. Das klingt modern, ein bisschen wie Nina Simone, manchmal nachdenklich, auf jeden Fall aber tanzbar und macht Lust auf einen Abend zu zweit bei Kerzenschein.

Ihren Ausflug Mitte der Neunziger Jahre in die Techno-Szene – produziert wurde der Track damals von Sven Väth – hat man ihr verziehen. Jahre später wird Stevie Wonder auf sie aufmerksam, wird schließlich zu ihren ersten großen Mentor und Demi findet ihre musikalische Bestimmung im Soul und Blues.

Ein schwerer Autounfall in Monaco, dem eine längere Rekonvaleszenzphase folgte, mündete schließlich in eine dauerhafte Liaison mit Frankreich. Zunächst war Paco Sery, Schlagzeuger der späten Luther Allison Blues Band, Demis Wegbegleiter, bis sie Fred Morisset begegnete. Fortan arbeiten beide zusammen und das Ergebnis dieser Arbeit ist absolut hörenswert: Ihr Album „Why Do You Run“, veröffentlicht im Frühjahr 2006, platziert sich auf Anhieb in den einschlägigen Charts.

Dieser Erfolg ist nachvollziehbar für den, der Demi Evans auf der Bühne erlebt. Sie lässt das Publikum teilhaben an ihren Gedanken, spricht in einfachen Worten von ihren Gefühlen, ihren Hoffnungen und ist auf eine sehr angenehme Weise abendfüllend präsent und dabei doch bescheiden.

Was also hat man zu erwarten, wenn ein Ex-Model zum Mikrofon greift? Im Fall der Demi Evans einen weiteren großartigen Abend in der Jenaer KulturArena.

Text: Jens Mende

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