Der Rechtsklick ist für diese Website deaktiviert.
logo

Sind A-Blogger die Gatekeeper der Blogosphäre?

Bei der Thematik Media Markt gegen Media-Böld.de ist mir ein Satz von Rainer Kohnen besonders aufgefallen:

Auch in der sogenannten „Blogosphäre“ war das Thema nicht auf die erhoffte Resonanz gestoßen, es hatten zwar eine große Anzahl von Blogs darüber berichtet (Mein Dank nochmals an Alle die etwas darüber geschrieben haben!), bei den sogenannten „A-Bloggern“ aber, durch deren Berichterstattung die Sache auf Grund deren großen Reichweite enorm an Fahrt hätte gewinnen können, war von Solidarität nicht viel zu spüren. Woran es lag – keine Ahnung, jedenfalls nicht daran daß sie nichts davon gewußt hätten.

Daraus ergibt sich die Frage: Wie wichtig sind A-Blogger in der Blogosphäre für die Themensetzung?

Die A-Blogger haben mindestens 10-100 mal höhere Zugriffszahlen auf ihre Artikel als die restlichen, gut besuchten Blogs. Schon daraus ergibt sich, dass ein Thema mehr wahrgenommen wird, wenn ein A-Blogger sich damit beschäftigt.

Das bedeutet nicht zwingend, dass ein Thema von den A-Bloggern erfunden oder entdeckt werden muss. Oft wird die Thematik auf unbekannteren oder fachspezifischen Blogs entwickelt und verbreitet sich durch die Verlinkung innerhalb des direkten Umfeldes. Wird das Thema dann von einem bekannteren Blogger aufgefasst, gewinnt es meist eine neue Dynamik. Das Thema schwappt sozusagen aus einem kleinen, speziellen Interessenskreis heraus.

Auf den Meta-Blogs – typisch hierfür ist das Basic Thinking Blog – wird das Thema entweder nur verlinkt oder mit einem meist kurzen, persönlichen Kommentar versehen und damit bewertet. Durch die enorme Reichweite wird das Thema in der Blogosphäre bekannt und von weiteren Blogs aufgegriffen. Trackbacks auf dem Meta-Blog sammeln die Diskussion.

Andere Blogs, wie die Blogbar oder Indiskretion Ehrensache setzen neue Themen oft selbst. Meist gibt es einen klaren thematischen Fokus und bestimmte Themenbereiche werden bevorzugt. Auch hier ist der Artikel oft der Anstoß für eine längere Debatte innerhalb der Blogosphäre.

Auch bei Focus-Blogs, wie der Thüringer Blogzentrale, welche gute Blog-Artikel der Thüringer Blogs sammelt und zentral veröffentlicht erfolgt eine bewusste Auswahl der Artikel und Themen.

Es ist anzunehmen, dass Journalisten wenige und vor allem bekannte Blogger lesen und beobachten, da ein vollständiger Überblick über alle Themen der Blogosphäre weder möglich noch nötig ist. Damit dürfen es die Themen, welche von den A-Bloggern aufgegriffen werden leichter haben, die Blogosphäre zu verlassen. Eine gewisse Reputation der bekannten Blogger unterstützt diese Tendenz zusätzlich.

Das Auswählen und Kommentieren relevanter Themen sind klassische Aufgaben eines Journalisten. Die Betreiber der Blogs funktionieren als Gatekeeper der Blogosphäre. Der Unterschied zu klassischen Medien ist nur folgender: Ihre Macht ist begrenzter. Auch ohne A-Blogger kann es ein Thema mit dem entsprechenden Nachrichtenwert es ganz nach oben und bis nach draußen schaffen. In der klassischen Medienwelt ist das ohne die Macht der Großen kaum möglich.

In der Forschung wird die Abkehr von der alten Gatekeeper-Strategie beschrieben. Doch das ist nicht weit genug gedacht: auch die Blogs benötigen ihre Gatekeeper. Das ergibt sich schon aus der schieren Anzahl unterschiedlich relevanter Informationen, die publiziert werden. Zwar ist es jetzt nahezu jedem möglich, seine Gedanken und Informationen zu veröffentlichen. Aber nur, weil eine Information im Netz steht, wird sie noch lange nicht wahrgenommen. Aufgrund des nötigen Auswahlprozesses innerhalb der Blogosphäre wird diese nicht ohne ihre zunehmend journalistisch arbeitenden Alpha-Tiere auskommen.

Passend hierzu der Artikel. „Who’s a Journalist These Days?“ via Jonet

P.S. Es wird immer behauptet, die Blogsphäre beschäftigt sich nur mit sich selbst. Damit wenigstens Fünkchen Wahrheit in dieser Aussage enthalten ist, war dieser Artikel mein Beitrag dazu.

3 thoughts on “Sind A-Blogger die Gatekeeper der Blogosphäre?”

  1. […] Aber wie schon gesagt, ist Bloggen keine Preis- oder Leistungsveranstaltung, auch wenn es erfreulich ist, den ein oder anderen Link oder Kommentar zu bekommen. Man freut sich natürlich gelesen zu werden, aber “richtige” Blogger bloggen in erster Linie nicht um des gelesen werdens willen, sondern weil “es raus muss”. WAS das raus muss – und wie, ist sehr individuell. Die meisten interessiert der ganze Bohei (an dem auch ich mich – zugegebenermaßen – viel zu oft beteilige) um A-Blogger und Zugriffszahlen, Kommentare und Kommerzialisierung einen Scheissdreck. Und manche verzweifeln auch am Großen und Ganzen und wollen endlich aufhören mit dieser Zeitverschwendung. […]

  2. „Es ist anzunehmen, dass Journalisten wenige und vor allem bekannte Blogger lesen und beobachten“

    Konrad Lischka hat bei Spon erst kürzlich das Thema der Abmahnungen aufgegriffen, was wieder aktuell war/ist. Journalisten finden nicht nur Thema durch Blogger, sondern berichten eben auch über Blogosphäre.

    Die sogenannten Alpha-Blogger erfüllen meiner Meinung nach eher die Rolle der Meinungsführer, als die der Gatekeeper (kann man aber durchaus auch sagen). Das möglicherweise daran, dass die Blogosphäre doch sehr stark zusammenhängt und sich häufig an den Themen der anderen, eben hauptsächlich der Alpha-Blogger orientiert. So zumindest meine flüchtige Beobachtung.

  3. Die beiden Faktoren Meinungsführer und Gatekeeper sind in der Tat schwierig zu trennen und für die Blogosphäre auch nicht immer eindeutig zu verorten. Die Beobachtungen, das sich an der Themenauswahl der Alpha-Blogger orientiert wird kann ich auf jeden Fall teilen.

    Das eigentlich besondere der Blogger ist, das ein relevantes Thema auf einem kleinen Blog nicht zwangsweise unentdeckt bleiben muß (aber kann), wenn es sich per Link nach ‚oben‘ spühlt.

    Hier der Link zum genannten Spon-Artikel: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,480159,00.html

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.