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Die Bahn fährt an die Börse und lässt ihre Kunden am Bahnsteig stehen

Mit dem Sprechchor „Wir wollen Bahn fahren“ begrüßten heute zahlreiche hilfebedürftige Menschen die einreisenden Züge am Paradies-Bahnhof in Jena. Die Protestaktion richtet sich gegen die komplette Abschaffung des Ausstiegsservice für mobilitätseingeschränkte Bahnreisende seit August. Die Reisenden bleiben einfach auf dem Bahnhof stehen, denn ohne technische Hilfsmittel ist es auch für hilfsbereite Passanten kaum möglich, die z.T. 200kg schweren Elektrorollstühle über bis zu 40cm hohe Kanten in den Zug zu tragen. Gestern Abend lenkte die Bahn und veröffentlichte in einer Presse-Information die neuen Möglichkeiten der Hilfestellung. Dabei muss der hilfebedürftige Reisende sich unter einer kostenpflichtigen Nummer einen Tag vorher anmelden und kann den Service Montag-Freitag 6-12 Uhr und 15-21.30 Uhr sowie am Wochenende zwischen 6 und 11.30 Uhr nutzen.
Das Einlenken der Verantwortlichen der Bahn wird zwar von den Betroffenen begrüßt, jedoch seien insbesondere die Zeiteinschränkungen am Wochenende nicht hinnehmbar, hieß es. Da das Servicepersonal immer extra von Saalfeld oder Gera anreisen musste, kam es nach Aussagen der Reisenden in der Vergangenheit zu regelmäßigen Verspätungen beim Einsteigen oder der Zug musste ohne die angemeldete Person abfahren.
Der Bahnreisende und Rollstuhlfahrer Dr. Stefan Timmig berichtet viel trotzdem Positives über die Hilfen an größeren Bahnhöfen wie z.B. in Nürnberg und Stuttgart und über die meist freundliche Unterstützung des Zugpersonals. Wie er sagte, seien die hilfebedürftigen Reisenden durchaus zu Kompromissen bereit. Eine komplette Abschaffung der Unterstützung für sie sei aber inakzeptabel.
Die Betroffenen verweisen auf die aktuelle Gesetzgebung, welche die Bahn zur Unterstützung verpflichte. Im Thüringer Gesetz zum Öffentlichen Personen-Nah-Verkehr (ÖPNV) ist diese als Teil der Daseinsvorsorge verankert.

Die Bahn will an die Börse und spart, wo immer sie kann. Dabei scheint auch ein weiterer Imageverlust (heute waren drei Kamerateams und zahlreiche Redakteure anwesend) kein Problem zu sein. Der Neubau des Jenaer Paradies-Bahnhof wurde erst vor einem Jahr in Betrieb genommen und hat seitdem regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt. Über viele Monate war keine öffentliche Toilette vorhanden, da es keine Einigung über Betrieb und Finanzierung zustande gekommen war. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass scheinbar nur finanzielle Aspekte im Vordergrund stehen. Die Bahn hatte im letzten Jahr fast 10.000 Mitarbeiter abgebaut und über 1 Milliarde Euro Gewinn (EBIT, 18.2% Wachstum gegenüber 2004) erzielt.

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4 thoughts on “Die Bahn fährt an die Börse und lässt ihre Kunden am Bahnsteig stehen”

  1. Das Medien-Echo zu diesem Thema ist enorm. Alle wichtigen regionalen Medien berichten über den ‚Service‘ der Bahn. Die beiden lokalen Tageszeitungen berichten ausführlich (OZT: http://www.otz.de/otz/otz.jena.volltext.php?zulieferer=otz&kennung=on3otzLOKStaJena38963&rubrik=Stadt&region=Jena&kategorie=LOK und TLZ: http://www.tlz.de/tlz/tlz.jena.volltext.rahmen.php?zulieferer=tlz&kennung=on4tlzLOKStaJena38963&rubrik=Stadt&region=Jena&kategorie=LOK). Weiterhin berichtet Jena TV (http://www.jenatv.de/index.php?main=programm&lf=showvideo&vidid=1157468448) und sogar das Regionale MDR Thüringen Journal (http://www.mdr.de/thueringen-journal/3416758.html) mit weiteren Hintergrundinformationen.

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