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Joe Jackson in der Kulturarena

Die Manager der Musiker haben Angst. Sie fürchte, die Interpretation der Auftritte ihrer Künstler könnte ein anderer als die eigene PR-Abteilung übernehmen. Die Presse soll möglichst die bereitgestellten Texte und Fotos der Agentur nutzen, um meinungsfrei über ein Konzert zu berichten. Freie Berichterstattung und Meinungsbildung weitestmöglich unterbunden, wie am prominenten Beispiel „Britney who?“) zu sehen ist.

Wenn wir Journalisten über ein Konzert in der Kulturarena berichten wollen, sind wir die kleinen Bittsteller vor den ‚wahren Größen‘ der Musikbranche. Der Hürdenlauf beginnt mit der Akkreditierung. Das kleine roten Kärtchen teilt die Welt in zwei Hälfte: Besucher und Journalisten. Die Journalisten dürfen ganz nah ran: ein Strick vor der fast zwei Meter hohen Bühne trennt den Fotograben (dort sind die Fotografen vergraben) von den restlichen bis zu 3000 Gästen, welche unnachgiebig nach vorn strömend die 50 cm zwischen Strick und Bühne zur Nahkampfzone werden lassen. Viel Zeit zum Überleben und Fotografieren bleibt indes nicht, denn nach drei Liedern erklärt die Security nett und deutlich, dass die Zeit der Journalisten und Fotografen für diesen Abend abgelaufen ist. In Demut und mit dem Objektiv zum Boden gerichtet dürfen wir dann den Besuchern zuschauen, die gerade ihre Kompakten und Handys auspacken und gleich noch ein Filmchen drehen. Das technisch brillanteste Foto wird es so nicht geben, ein YouTube-Filmchen mit etwas Atmosphäre bei der Zugabe springt aber dabei heraus.

Glücklich sind die Fotografen, wenn verrückte Japaner auf der Bühne stehen und schon nach drei Liedern die ersten Schweißtropfen zu sehen sind, so das die Fotos wenigstens den Hauch einer Konzertatmosphäre vermitteln könnten.

Das Konzert läuft eine halbe Stunde und die Arbeit geht weiter: die vorbereiteten Fakten im Artikel werden mit Liveeindrücken gespickt und die kleinen JPGs direkt aus der Kamera liefern die ersten drei bis vier Livefotos. Kurz nach der Zugabe werden Text und Fotos vom Notebook über UMTS ins Redaktionssystem eingespielt und stehen online bereit. Im Office werden rund 4 GB Fotodaten (rund 350 RAW-Fotos) von der Speicherkarte gezogen und mit dem FastPictureViewer aussortiert. Die rund zwanzig besten Fotos bleiben übrig, werden mit Keywords versehen und im Bildredaktionssystem abgelegt.

Wenn es diese besten Fotos gibt. Bei dem Joe Jackson Konzert hat das Management dafür gesorgt, dass es keine guten Fotos vom Konzert gibt. Der Sänger und Pianist wurde auf der Bühne hinter einem mit einer silbernen Kaffeetasse verzierten Flügel versteckt. Die ersten drei Lieder wurden für die Fotografen freigegeben und es positionierten sich etwa sieben Fotografen am linken Rand der Bühne, dem einzigsten Standort, bei dem der Künstler es mit auf das Foto schafft. Einen Funkspruch an die Security später wurde der Fotomob an die rechte Bühnenkante getrieben – das Management wünscht keine Fotos von links. Nur Augenblicke später sorgte der mit Schlüsselbandbehangene Manager persönlich dafür, das niemand das Fotoverbot zu kreativ interpretieren versucht (das Management der Kulturarena hatte weder Ahnung noch Einfluss). Das fotografische ‚Ergebnis‘ steht am Ende des Artikels und reicht allenfalls für eine Ich-War-Auch-Da Dokumentation. Was das Künstlermanagement damit erreichen will, bleibt völlig fraglich. Das Ergebnis ist weder im Interesse der Künstlers noch der Leser von Web und Zeitung.

An diesen Tagen denke ich auch: Einfach sein lassen.

Einen ausführlichen Konzertbericht gibt es auf Jenanews und im Akrützel.

Weitere Fotos in der Happy Arts Galerie.

HG4X0907-1937 Dieses Foto möchte das Künstlermanagement nicht sehen: die Fotografen wurden während des ersten Liedes angewiesen, nur von rechts zu fotografieren.

HG4X0907-1955Das fotografische Überbleibsel nach der Regieanwesung des Künstlermanagements.

HG4X0907-1968HG4X0907-1980HG4X0907-1982HG4X0907-1998

2 thoughts on “Joe Jackson in der Kulturarena”

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