Ärztedemo in den Jenaer Medien

In Jena gibt es nur wenige Medien mit lokaler Berichterstattung. Das sind hauptsächlich die beiden Tageszeitungen TLZ und OTZ, welche eine Redaktion und einen Lokalteil in Jena haben. Zusätzlich berichtet jena.tv in Bildern und Kurznachrichten auf der Webseite. Außerdem versucht das neue Internetangebot jenakompakt.de mit einem regelmäßig gepflegten redaktionellen Bereich auf sich aufmerksam zu machen. Und es gibt dieses Blog.

Alle genannten Medien berichteten über die Menschenkette um den Intershop-Tower, die heute von den streikenden Ärzten gezogen wurde. An diesem Beispiel lässt sich sehr gut beobachten, wie unterschiedlich die Berichterstattung über ein relativ kleines und wenig interpretierbares Ereignis aussehen kann.

JenaTV berichtet in einem kurzen Artikel mit der Überschrift „Klinik-Ärzte protestierten in der Innenstadt“ über die Menschenkette und erklärt, warum der Streit weitergeführt wird.

„Jenaer Ärzte streiken weiter“ titelt das Internetportal jenakompakt.de in einem ausführlichen Artikel. Der Artikel enthält mehrere O-Töne, welche die verschiedenen Beweggründe der Ärzte für den Streik darlegen. Auch die Reaktion der Jenaer kommt zur Sprache:

„Die Teilnahme vieler Bürger der Stadt zeige, dass es den Menschen nicht an Verständnis für die Situation der Ärzte mangele, sagte eine Sprecherin des Marburger Bundes im Gespräch mit jenakompakt.de. Die Gesundheitsversorgung gehe sowohl Ärzte als auch Patienten an.“

Weiterhin wird über den geplanten Streikverlauf der Woche berichtet.

In der OTZ wird schon in der Überschrift der Bezug zu den Jenaern gesucht: „Jenaer solidarisch mit Ärzten in Menschenkette“. Enthalten ist ebenso ein O-Ton wie auch der Hinweis, das der Streik auch den Patienten etwas angeht:

„Eingereiht hatten sich indes nicht nur die Ärzte, sondern auch viel Jenaer – (potenzielle) Patienten, denen eine optimale Gesundheitliche Versorgung ebenso wie den Ärzten selbst am Herzen liegt.“

Der weitere Streikverlauf wird ebenso erwähnt wie der Hinweis auf den Infostand der Ärzte am Johannistor.

Der Bericht der TLZ (von der Redaktionsleiterin Lioba Knipping) liest sich jedoch plötzlich ganz anders: Der O-Ton kommt von „Jana und Silvia (Namen geändert)“, die erklären, warum sie am Streik teilnehmen. Nicht erklärt wird, warum die TLZ unter den vermutlich 200 anwesenden Ärzten niemanden findet, der seinen Namen hergeben möchte. Weiter geht es mit

„Mit einer Menschenkette rund um den Uniturm wollten die Ärzte der Universitätsklinik am Montag nun erneut Passanten auf ihre Seite bringen.“

Nein, sie wollten nicht nur, sie taten es auch: mit vermutlich 200 Passanten innerhalb einer halben Stunde. Viel mehr waren Montag 14 Uhr nicht in der nähe des Intershop-Towers zu sichten. Ein weiterer O-Ton folgt, für den die TLZ sich nicht einmal geänderte Namen ausgedacht hat:

„Doch die Ausdehnung des Streiks auf eine Woche ist für Passanten nur schwer nachzuvollziehen. Sie machen ihrem Unmut Luft: „Die Ärzte verdienen genug. Es gibt doch einen neuen Tarifvertrag“, äußerten überwiegend junge Menschen. „Wir haben auch einen akademischen Abschluss und bekommen längst nicht das Gehalt, das Ärzte monatlich haben.““

Doch woher kommen diese Aussagen? Sie sind kaum schlüssig, denn wie sollen die „Passanten“ (=mehrere) darauf kommen, das der Streik auf eine Woche ausgedehnt wird, wo er doch vor zwei Wochen schon eine Woche lang war und eigentlich seit Februar läuft? Es ist ebenso kaum schlüssig, das die „Passanten“ von einem Tarifvertrag wissen, der in allen Medien (und mittlerweile durch ein Rechtsgutachten untermauert) als für die Ärzte nicht zwingend gültig dargestellt wird. Der Tarifvertrag bleibt weiter Thema:

„Markus Schlosser vom Marburger Bund wird nicht müde zu betonen: „Der Streik geht alle an. Nicht nur Ärzte, sondern auch die Patienten.“ Er weiß sehr wohl, dass die Ärzte nun verstärkt die Unterstützung der Patienten brauchen, denn im Gegensatz zum Streikbeginn im März existiert jetzt ein Tarifvertrag.“

Der Artikel endet mit dem (korrekten) Hinweis auf die Notbesetzung im Klinikum und man wird das Gefühl nicht los, das die Autorin lieber einen Kommentar hätte schreiben sollen, als ihre Meinung in einem redaktionellen Beitrag zu äußern.

1 Kommentar zu „Ärztedemo in den Jenaer Medien“

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.